Monolog aus einigen Tagen meines Lebens

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Mit Corinnna Harfouch, Catherine Stoyan, Felix Kroll

Corinna Harfouch begeisterte bereits 2021 das Publikum der Ruhrtriennale mit ihrer vitalen Erzählkraft. Dieses Mal widmet sie sich, musikalisch begleitet von Felix Kroll und der Schauspielerin Catherine Stoyan, den Texten Wolfgang Hilbigs. Ein Monolith der Literatur. Der 2002 mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnete Lyriker, Romanautor und Essayist wäre dieses Jahr 81 Jahre alt geworden. Aufgewachsen in einer Bergarbeiterfamilie im thüringischen Meuselwitz lernte er nach kurzer Schulzeit den Beruf des Bohrwerkdrehers, arbeitete am Braunkohletagebau, später als Heizer. Seine Erkundungsgänge durch die Landschaft der Seele suchen in der deutschsprachigen Literatur ihresgleichen. Hilbig erzählt von Krieg und Diktatur, Leben und Tod, Alltag und Arbeitswelt einer sterbenden Industrieregion, von der verlorenen und doch endlich gefundenen Heimat, vor allem aber davon, wie ein Mensch, allen Verführungen und Bedrohungen zum Trotz, zu sich selbst findet. Es ist die Stimme eines Autors aus der Zwillingsregion des Ruhrgebiets im Osten Deutschlands, in dessen Leben sich das 20. Jahrhundert mit all seinen Verwerfungen eingezeichnet hat.

Corinna Harfouch - Mitglied der Wolfgang-Hilbig-Gesellschaft und Gedichtpatin 2021 - interpretiert diese Stimme mitten in der ehemaligen Schachtanlage mit poetischer Strahlkraft.

Das Maschinenhaus Essen ist Teil der ehemaligen Schachtanlage Carl, die ab 1855 errichtet wurde. Erbaut wurde das Backsteingebäude im Jahr 1900 als Standort für die Dampfmaschine, die den Förderkorb bewegte. 1929 wurde die Kohleförderung eingestellt. Bis 1970 war Schacht Carl noch für Seilfahrt, Materialförderung und Bewetterung in Betrieb, und die oberirdischen Gebäude wie das Maschinenhaus wurden als Werkstätten genutzt. Seit 1985 wird das Maschinenhaus als Produktions- und Veranstaltungshaus von dem Kunstverein Carl Stipendium e. V. getragen.

Eine Veranstaltung der Ruhrtrienale 2022

Wolfgang Hilbig im Orginalton mit seinem Text "Der Leser" am 22. Juli 2002 im Hörspielstudio 2 im Berliner Funkhaus Nalepastraße, wo im Auftrag von MDR KULTUR die Aufnahmen für das Hörbuch "Der Geruch der Bücher" in der Redaktion und Regie von Matthias Thalheim stattfanden. Dieses Gedicht gelangte damals nicht in die zeitlich limitierte Auswahl der CD. – Matthias Thalheim macht es hier erstmals der Öffentlichkeit zugänglich.
Wolfgang Hilbig liest: Der Leser
Auch die Aufnahme des Gedichtes "geste" – eingesprochen von Wolfgang Hilbig 2002 im Berliner Funkhaus Nalepastraße und bislang unveröffentlicht – wird hier zum 80. Geburtstag des Dichters von Matthias Thalheim erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Wolfgang Hilbig liest: geste