Essenz

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Foto © Fabian Heublein

Ein Stück des Leipziger Tanztheaters LTT

Work-in-special-Progress-Showing. Tanztheater von Choreografin Bettina Werner

Der Dichter Wolfgang Hilbig war davon überzeugt, dass Jenes, was unser Dasein bestimmt, sich allein poetisch vermittelt - in Dichtung, Malerei und anderen künstlerischen Ausdrucksformen. Und so kommt das 2019 uraufgeführte Tanztheaterstück mit neuer Besetzung im "Internationalen Wolfgang-Hilbig-Jahr 2021" nochmals auf die Schauspiel-Bühne. Wie Wolfgang Hilbig in seiner Literatur setzen sich die Tänzerinnen und Tänzer zwischen 14 und 18 Jahren mit Fragen der Zeit, ihrer Relativität und mit einem Ich auseinander, das sich selbst erfährt: „Essenz“ reflektiert tänzerisch und performativ Erinnerungen und Erfahrungen, die unsere Individualität prägen und Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in einem dichten Augenblick verschmelzen lassen.

Das Geräusch rührte von den schweren Holzschuhen her, die die Häftlinge eines Konzentrationslagers aus Schwäche nicht mehr anheben, sondern nur noch über das Straßenpflaster schleifen lassen konnten. Gleich am Abend nach meiner Geburt mußten sie dort unten auf der Straße vorbeigetrieben worden sein ... dort unten an der Ecke, wo jetzt die langen Reihen der Mülltonnen glänzten. (Wolfgang Hilbig)

Wenn Töne, Geräusche, Bilder, Düfte erscheinen, wirken sie wie eine ESSENZ, die uns hinübergleiten läßt in etwas Überzeitliches. Es ist der dichte Augenblick, der uns zur Erinnerung führt und seine Diversität prägt unsere Individualität. So blickt die Zukunft der Vergangenheit ins Gesicht, die vor ihr liegt. (Bettina Werner)

Weitere Aufführungen, dann in der Schaubühne Lindenfels, Leipzig, folgen am:
24./25.9., jeweils 20.00 Uhr
26.9., 18.00 Uhr

Veranstaltung des LTT und des Schauspiels Leipzig (16.7.)
sowie (24.-26.9.) der Schaubühne Lindenfels Leipzig

Wolfgang Hilbig im Orginalton mit seinem Text "Der Leser" am 22. Juli 2002 im Hörspielstudio 2 im Berliner Funkhaus Nalepastraße, wo im Auftrag von MDR KULTUR die Aufnahmen für das Hörbuch "Der Geruch der Bücher" in der Redaktion und Regie von Matthias Thalheim stattfanden. Dieses Gedicht gelangte damals nicht in die zeitlich limitierte Auswahl der CD. – Matthias Thalheim macht es hier erstmals der Öffentlichkeit zugänglich.
Wolfgang Hilbig liest: Der Leser
Auch die Aufnahme des Gedichtes "geste" – eingesprochen von Wolfgang Hilbig 2002 im Berliner Funkhaus Nalepastraße und bislang unveröffentlicht – wird hier zum 80. Geburtstag des Dichters von Matthias Thalheim erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Wolfgang Hilbig liest: geste